Newsletter für Steuertipps

Elektronisches Kassensystem - offene Ladenkasse - Kassenbericht - Einzelaufzeichnungen

Essen, 14.06.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

im vergangenen Jahr gab es ziemlich viel Verwirrung im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Kassensystems: Ist die offene Ladenkasse weiterhin zulässig? Es gab Stimmen, meistens aus der Industrie, dass die offene Ladenkasse nicht mehr zulässig sein soll und nur das elektronische Kassensystem ab 1. Januar 2017 von der Finanzverwaltung anerkannt wird. Die Gesetzgebung ist in diesem Zusammenhang sehr klar.

 

Die offene Ladenkasse ist auch ab dem 1. Januar 2017 zulässig.

 

Nachdem man gedacht hat, dass diese Diskussion mit Ablauf des Jahres 2016 beendet war, schürt jetzt die DATEV in ihrem Magazin aus Januar 2017 auf Seite 27 ff. wieder das Feuer. Die Veröffentlichung wurde von Herrn Hermann Pump verfasst und leider führt dies wiederrum zu umfangreichen und sinnlosen Diskussionen.

 

Der Verfasser dieses Artikels vertritt die Auffassung, dass die offene Ladenkasse tot ist und nur die elektronischen Kassensysteme zulässig sind. Er begründet diese These mit den GoBD (Fn. 1).

 

Hierzu unsere Anmerkungen:

 

Was ist mit den vielen Einzelhändlern, die von ihrer Struktur her nicht über elektronische Kassensysteme verfügen?

 

Was ist mit den vielen Händlern auf den Wochenmärkten, die Obst und Gemüse, Geflügel und Eier verkaufen; was ist mit der Kneipe um die Ecke? Es wäre sicherlich unmöglich, in einer Kneipe jedes Bier einzeln in ein Kassenbuch einzutragen.

 

Und denkt der Verfasser „weg von der offenen Ladenkasse“ auch einmal an die vielen (kleinen) Schausteller auf den Jahr- und Weihnachtsmärkten?

 

Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hat in ihrem Merkblatt für Unternehmer (Fn. 3) sinngemäß ausgeführt, dass ein Tageskassenbericht eine einzelne Auflistung der Buchungen ersetzen kann, wenn diese unzumutbar ist (wir nennen hier einmal beispielhaft das Bierzelt auf dem Oktoberfest).

 

Wir fügen hinzu: Für das Kassenzählprotokoll gibt es ebenfalls keine wirklich festgeschriebene Rechtmäßigkeit. Wichtig ist nur, dass wenn der Betriebsprüfer kommt, die Kasse auch stimmt.

 

Wörtlich heißt es in dem Merkblatt der Oberfinanzdirektion Niedersachsen unter Textziffer 3:

"Grundsätzlich ist jedes einzelne Handelsgeschäft, also jede Betriebseinnahme und Betriebsausgabe, jede Einlage und Entnahme mit ausreichender Bezeichnung des Geschäftsvorfalls aufzuzeichnen. Zu erfassen sind, soweit zumutbar, Inhalt des Geschäfts, Name, Firma und Adresse der Vertragspartnerin/des Vertragspartners. Diese Verpflichtung besteht unabhängig von der Gewinnermittlungsart."

 

Die Pflicht zur Einzelaufzeichnung muss nur dann nicht erfüllt werden, soweit Sie nachweislich Waren von geringem Wert an eine unbestimmte Vielzahl nicht bekannter und auch nicht feststellbarer Personen verkaufen. In diesem Fall müssen die Bareinnahmen anhand eines sog. Kassenberichts nachgewiesen werden, in den sie täglich mit dem Anfangs- und Endbestand der Kasse abgestimmt werden. Für die Anfertigung eines Kassenberichts ist der gesamte geschäftliche Bargeldendbestand einschließlich Hartgeld - unabhängig vom Aufbewahrungsort des Geldes (z. B. Tresorgeld, Handkassen der Kellner, Wechselgeld, Portokasse etc.) - täglich zu zählen. Der Kassenendbestand ist sodann rechnerisch um die Entnahmen und Ausgaben zu erhöhen und um die Einlagen und den Kassenanfangsbestand zu mindern, so dass sich die Tageseinnahme ergibt. Die Entnahmen, Einlagen und Ausgaben sind durch Belege nachzuweisen.

 

Nur ein in solcher Weise erstellter Kassenbericht ist zulässig. Ein mit Standardsoftware (z. B. Office-Programme) erstellter Tageskassenbericht ist nicht gegen nachträgliche Änderungen geschützt und entspricht somit nicht den Vorschriften.

 

Darüber hinaus sollten Sie die Ermittlung des Geldbestandes am Ende des Tages durch ein sog. Zählprotokoll nachweisen. Rundungen oder Schätzungen sind unzulässig.

 

Werden Einnahmen an verschiedenen Orten oder mit unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen erzielt, ist jeweils eine gesonderte offene Ladenkasse zu führen.

 

Wie jetzt die DATEV dazu kommt, die These eines (ehemaligen) Richters am Finanzgericht Münster zu publizieren, obwohl sie genau weiß, dass die Meinung dieser Person nicht rechtlich abgesichert ist und darum weiterhin Verwirrung stiftet, ist unklar.

 

Der berufliche Werdegang des Verfassers zeigt deutlich seine fiskalischen Wurzeln. Aus diesem Grund braucht man sich nicht zu wundern, woher die Auffassung stammt.

 

Fußnoten:

Fn. 1:

GoBD: „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen im elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“, Bundesministerium der Finanzen, Az.: IV A 4 – S 0316/13/1003 vom 14.11.2014

Fn. 2:

BFH 16.12.2014 – XR 42/13, Bundessteuerblatt 2015 II, Seite 519

Fn. 3:

Merkblatt_Kassenbuchführung_Unternehmen Informationen für Unternehmen-Ordnungsmäßigkeit der Kassenbuchführung 12.2016

 

Mit freundlichen Grüßen

Roland Franz & Partner

Dipl.-Finw. Bettina M. Rau-Franz 
Steuerberaterin
 

 

 

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„Erfahrene Propheten warten die
Ereignisse ab.“

 Horace Walpole (1717 - 1797)

 

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